Februar 2006: Schnee-Katastrophe im Bayerwald

Viele Bayerwalder werden Ihn wohl nie mehr vergessen: Den Winter 2005/2006! Bereits ab Mitte November bildete sich verbreitet (häufig bereits bis in die Täler hinab) eine geschlossene Schneedecke aus, welche über den gesamten Winter hindurch Stück für Stück dicker wurde. Nennenswerte Tauwetterphasen blieben im Bayerwald komplett aus, sodass sich bereits bis zum Jahreswechsel 05/06 eine schwere Schneelast auf den Hausdächern ansammeln konnte! Bis in den Januar hinein kam es immer wieder zu teils heftigen Schneefällen, sodass bereits Ende Januar 2006 stattliche Schneehöhen zwischen 50 und 100 cm vorzufinden waren. Das heftigste sollte allerdings erst Anfang Februar auf die "Waidler" zukommen. Vom 06.02. bis 10.02.2006 fielen durch ein von der Nordsee nach Polen ziehendes Schneetief enorme Neuschneemengen an den Weststaulagen des Bayerwaldes. In dieser Zeitspanne fielen ohne größere Unterbrechungen zwischen 100 und 200 cm Neuschnee! An expornierten Staulagen gab es massive Neuschneemengen bis zu 3 m! Auf den Dächern konnten sich somit seit Beginn des Winters im November ungehäuere Schneelasten ansammeln. Wegen der akuten Einsturzgefahr vieler Gebäude wurden in mehreren Kreisen Ostbayerns (Straubing-Bogen, Freyung-Grafenau, Passau, Deggendorf, Schwandorf und Regen) Katastrophenalarm ausgelöst.

Nachfolgend einige Bilder vom 10.02.2006 aus dem knapp 900 m hochgelegenen Sankt Englmar (Kreis Straubing-Bogen), welche von Andreas Kiefl aus Runding bei Cham freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden. Vielen Dank an dieser Stelle nochmals an Herrn Kiefl für die tollen Bilder!


In St. Englmar lagen nach massiven Schneefällen am 10. Februar ca. 140-180 cm Schnee:


Ganze Verkehrsschilder verschwanden unter den Schneemassen:


Auch in Sankt Englmar auf knapp 900 m mussten viele Häuser von den Schneelasten befreit werden:



Sogar die normalerweise 2 Meter hohen Totenbretter waren kaum noch zu sehen:


Die Dächer und der schneebedeckte Erdboden bildeten teils eine Ebene:

Auswirkungen für den Landkreis Straubing:

Im Landkreis Straubing-Bogen wurde am 10.02.2006 Katastrophenalarm aufgrund Einsturzgefährdeter Häuser ausgelöst. Besonders betroffen waren dabei die Orte Ellisabethszell, Sankt Englmar und Wiesenfelden. Aber auch in anderen Orten des Landkreises drohten einige Gebäude unter der Schneelast einzustürzen, sodass viele Menschen auch in Eggerszell ihre Häuser von den teils meterhohen Schneemassen befreien mussten. Die Schneehöhen erreichten am 10.02.2006 nach 50-150 cm Neuschnee teils rekordverdächtige Höhen. Im Bereich Eggerszell lag beispielsweise 110 cm Schnee. Auf den Hausbergen rund um Sankt Englmar auf rund 1000 m konnten Schneehöhen bis zu 200 cm und mehr registriert werden.
Der Höhepunkt dieses außergewöhnlichen Winters wurde allerdings erst im März erreicht. Am 16.03.2006 lagen z.B. am Büscherl bei Wiesenfelden 220 cm Schnee. Am Hirschenstein bei Sankt Englmar waren es bis knapp 300 cm Schnee!

Es war allerdings nur der nördliche Teil des Landkreises Straubing-Bogen betroffen. Die Gebiete im mittleren und südlichen Landkreis hatten zu diesem Zeitpunkt weniger mit Schnee zu kämfen. In Straubing lagen z.B. nur ca. 20 cm Schnee. Noch etwas weiter südlich in Richtung Landshut gab es zu dieser Zeit sogar Hochwasser und grüne Wiesen während der Bayerwald im Schnee erstickte!!

Nachfolgend Bilder vom 10.02.2006 aus Eggerszell bei ca. 100 cm kompaktem Schnee:




Wetterlage

Im Zeitraum vom 06.02. bis 10.02.2006 lenkten Tiefs über der Nordsee aus Westen/Nordwesten großräumige Schneewolken in den Bayerischen Wald. Da anhaltend Südwestwinde vorherrschten gab es zudem starke Stauschneefälle im gesamten Bayerischen Wald. Besonders heftig fielen die Schneefälle an den Südweststaulagen aus.

Wetterlage und Entwicklung in ganz Deutschland:
Zwei Tiefdruckgebiete sorgten über den Zeitraum einer Woche hinweg für kräftige Niederschläge im Bayerischen Wald, welche zu enormen Neuschneemengen führten!
Zwischen dem Hochdruckgebiet "Drago" über Nordwesteuropa und dem Hoch "Ernstwolfgang" fand zunächst das Tiefdruckgebiet "Panja" den Weg aus Nordwesten nach Deutschland. Am 7.2., 00 UTC, lag seine Warmfront bereits diagonal über Deutschland. Nicht nur wärmere Luft strömte heran, auch das zugehörige Sturmfeld sorgte im ganzen Land für windiges Wetter, an der See und auf den Bergen traten einzelne Orkanböen auf. Anfangs schneite es verbreitet, rasch jedoch ging der Schnee im Norden und in der Mitte in Regen über, selbst in Bayern setzte sich weitgehend die mildere Luft durch und unterhalb von 500 Metern regnete es nur oder es gab Schneeregen. Einzig Richtung Bayerwald schneite es durchgehend. Die Tages-Niederschlagsmengen erreichten bis über 40 mm (z. B. in St. Englmar im Bayerischen Wald). Der nasse Schnee brachte eine erhebliche zusätzliche Belastung der ohnehin schon mit viel Schnee beladenen Dächer, und nicht jedes Dach vermochte dem standzuhalten.
Kaum einen Tag später zog schon das nächste Tief heran, "Oili". Unter Verstärkung verlagerte es sich um das Hoch "Drago" im Uhrzeigersinn herum und befand sich mit seinem Zentrum am 9.2. über Dänemark. In der Folge wanderte "Oili" nur langsam weiter nach Südosten. Es transportierte kühlere Luft als sein Vorgänger heran, so dass die Niederschläge überwiegend wieder bis in die tiefen Lagen als Schnee fielen. Im Bayerischen Wald fielen die Niederschlagsmengen geringer aus als befürchtet.

Dazu eine Wetterkarte vom 09.02.2006: (Mit freundlicher Genehmigung: www.wetterzentrale.de)


Extreme Verhätnisse im Hinteren Bayerwald

Besonders im Landkreis Regen und Freyung-Grafenau herrschten heftige Zustände in Folge enormer Starkschneefälle innerhalb weniger Tage. Selbst in den sehr schneereichen Gebieten wurden neue Schneerekorde hinsichtlich des Neuschnees binnen weniger als 5 Tage gebrochen! An einigen exponierten Staulagen zwischen Gr. Arber und Dreisessel gab es im Laufe der Schneekatastrophen-Woche Anfang Februar bis zu 2,5 m Neuschnee. Selbst für die schneegewohnten Bewohner in diesen Gebieten waren dies unglaubliche Verhältnisse.

Andreas Kiefl aus Runding bei Cham hat dabei nach den Schneefällen diverse Orte im Bayerwald besucht, um die Schneeverhältnisse zu bekundigen. Vielen Dank nochmals an Andy für die Bereitstellung der folgenden Bilder.

Am Bretterschachten bei Bodenmais im Landkreis Regen wurden einige Hütten beinahe eingeschneit:



In Regenhütte bei Bodenmais auf ca. 700 m:


Bei Bodenmais am 11.02.2006. Mitarbeiter des THWs schaufeln gerade Schnee von den Dächern herunter:


Auf den Dächern sieht man sehr gut die einzelnen Schneeschichten seit November 2005. Da es den gesamten Winter hindurch kein größeres Tauwetter gab, konnte sich eine enorme Schneelast auf den Dächern abstapeln. Ganz am Boden sieht man sogar eine mehrere Zentimeter dicke Eisplatte:


Eingeschneite Häuser bei Bodenmais. Hier betrug die Schneehöhe über 2 Meter:


Die Menschen waren pausenlos mit dem Abschaufeln der Dächer beschäftigt:

Weitere Bilder und Links zum Schneechaos: