28.07.20 - Hagelorkan quer durch den Bayerwald

Am späten Nachmittag des 28.07.2020 bildeten sich in schwül-warmer Luft in Ostbayern zahlreiche Schauer und zum Teil heftige Gewitter, welche von Südwest-/West nach Nordost-/Ost zogen. Zwei besonders kräftige Hagelgewitter zogen knapp südlich von Regensburg über Wörth an der Donau, Falkenstein, Traitsching, Bad Kötzting nach Neukirchen beim Heiligen Blut und schließlich über die tschechische Grenze nach Osten ab. Die knapp nebeneinander herziehenden Unwetter produzierten dabei zwischen dem Landkreis Kehlheim und dem östlichen Kreis Cham durchgehend starken Hagel mit Korngrößen zwischen 2 und 4 cm Durchmesser. Punktuell waren bei Traitsching sogar noch größere Hagelkörner mit um 5 cm Durchmesser dabei. Der Ursprung des Hagelunwetters lag bei Neustadt an der Donau. Ab diesem Zeitpunkt "baute" das Gewitter ständig nordöstlich an und verstärkte sich sogar noch in Richtung Vorderer Bayerwald. Das Unwetter versorgte sich sozusagen konstant auf der Nordseite, denn dort stand dem Gewitter massenweise Energie zur Verfügung! Aus diesem Grund scherte das "Hagelmonster" konstant nach Nordosten aus. Besonders betroffen von dem Unwetter waren folgende Ortschaften auf einer Linie: Hausen (Kreis Kehlheim), Mintraching (Kreis Regensburg), Wörth an der Donau, Falkenstein, Michelsneukirchen, Traitsching, Bad Kötzting und Neukirchen beim Heiligen Blut.

Die etwas schwächere und südlicher gezogene Hagelzelle durchquerte dabei die Ortschaft Eggerszell mit mäßigem Hagelschlag bis 2 cm Durchmesser. Innerhalb kurzer Zeit fielen dabei 5,8 mm Niederschlag. Aufgrund der sehr hohen Zuggeschwindigkeit der Gewitterzelle konnten keine größeren Niederschlagsmengen in Eggerszell verzeichnet werden. Während die Gemeinde Rattiszell und die Ortschaft Eggerszell mit kleineren Schäden sehr glimpflich davongekommen ist, hinterließ das nördlichere und noch wesentlich kräftigere Hagelunwetter beispielsweise in Falkenstein, Rettenbach, Michelsneukirchen und Traitsching eine regelrechte Spur der Verwüstung! In diesem genanntem Gebiet kam es teils zu extremen Hagelschlag und Orkanböen mit erheblichen Hagel- und Orkanschäden. Das außergewöhnliche an diesem Unwetter waren die großflächig aufgetretenen Hagelschäden. Im Markt Falkenstein (Kreis Cham) konnten fast 5 Stunden nach dem Gewitter noch riesige Hagelberge bestaunt werden. In der Gemeinde Traitsching, wo das Gewitter mitunter am heftigsten gewütet hatte, fand ich einen Tag darauf am Vormittag immer noch größere Hagelansammlungen, massenhaft umgestürzte Bäume und total zerstörte Maisfelder vor.

Die Unwetterzelle hielt sich über 3 Stunden lang und durchquerte fast das gesamte Bundesland Bayern und anschließend sorgte es sogar auch noch in Westtschechien für Schäden! Auf der Nord-/Nordwestseite konnte dabei durchwegs eine teils massiv ausgeprägte Wolkenabsenkung (Wallcloud) beobachtet werden. Die Wallcloud befand sich jeweils direkt unterhalb des stärksten Aufwindbereiches der Gewitterzelle und markierte den Übergangsbereich zwischen Auf- und Abwind. Dort wo die Wolkenabsenkung hinweg zog, gab es die heftigsten Begleiterscheinungen in Form von Großhagel und Orkanböen!

Nachfolgend einige Bilder vom aufziehenden Unwetter und von den Schäden, welche am 27.08. und 28.08.2020 entstanden sind. Die Bilder wurden in Maibrunn (Gemeinde St. Englmar), Eggerszell, Falkenstein, Michelsneukirchen und Traitsching im Vorderen Bayerwald aufgenommen.


Bereits aus der Ferne konnte ich das aufziehende Unwetter in Maibrunn bei St. Englmar (850 m) beobachten. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Gewitter gerade kurz vor Wört an der Donau:



Blick auf das aufziehende Hagelunwetter vom Vorderen Bayerischen Wald bei St. Englmar aus. Das Gewitter näherte sich mit hoher Geschwindigkeit und einer sehr dunklen Wolkenwand dem Bayerwald an:



Das Hagelunwetter näherte sich rasch an! Im Vordergrund bildete sich wenige Kilometer vor dem Hagelorkan eine weitere Hagelzelle. Diese weitere besagte Hagelzelle zog über Eggerszell mit Hagelkörnern bis 2 cm Durchmesser hinweg. Hier auf dem Bild sieht man den Blick von Elisabethszell/Sommerberg (ca. 700 m NN) nach Südwesten auf die beiden aufziehenden Gewitter. Das stärkere der beiden Gewitter war dabei verschwommen im Hintergrund mit Wallcloud (Wolkenabsenkung) zu sehen:



Blick von Eggerszell auf das schwere Hagelunwetter mit massiv ausgeprägter Wallcloud, welches mit intensivem Hagelkern äußert knapp nordwestlich von Eggerszell hinweg zog. Die Ortschaft Eggerszell wurde daher glücklicherweise haarscharf vom Unwetter verfehlt:



Die Wetterwebcam Eggerszell zeichnete mit Blickrichtung Westen/Nordwesten gegen 17 Uhr das aufziehende Unwetter mit intensiv-ausgeprägter Wallcloud (Wolkenabsenkung in der Bildmitte) auf. Der Aufzug des Unwetters sah sehr bedrohlich und beeindruckend zugleich aus:



Hagelcore und weitere Wolkenabsenkungen der ersten "schwächeren" Zelle ein paar Kilometer westlich von Eggerszell im Vorderen Bayerischen Wald. Direkt dahinter zog ein paar Kilometer nordwestlich versetzt das schwere Hagelunwetter nur kurze Momente später hinweg:



Aufziehendes Unwetter mit Hagelkern fotografiert an der Wetterstation Eggerszell mit Blick nach Westen:



Aufziehendes Unwetter mit Hagelkern und Wallcloud, fotografiert an der Wetterstation Eggerszell mit Blick nach Westen:



4-5 Stunden nach dem Hagelunwetter machte ich mir ein Bild von den Sturm- und Hagelschäden ganz im nordwestlichen Landkreis Straubing-Bogen und des angrenzenden Kreis Cham zwischen Wiesenfelden und Falkenstein. Selbst fast 5 Stunden nach dem Unwetter fand ich noch verbreitet in diesem Gebiet zwischen Wiesenfelden und Falkenstein große Hagelansammlungen und teilweise Hagelkörner von noch 2-3 cm Durchmesser vor.


Diese 2-3 cm großen Hagelkörner waren bei Höhenberg (Gemeinde Wiesenfelden) fast 5 Stunden nach dem Unwetter vorzufinden. Die ursprüngliche Größe der Körner muss durchaus mindestens 4 cm betragen haben:



Hagelkörner in einem Straßengraben in Höhenberg bei Wiesenfelden im Kreis Straubing-Bogen fast 5 Stunden nach dem schweren Hagelgewitter:



Einzelne Hagelkörner bei Höhenberg (Gemeinde Wiesenfelden) wiesen selbst nach 5 Stunden noch eine Größe von 3 cm auf:



Hagelansammlungen in Falkenstein-Rettenbach (Kreis Cham) 5 Stunden nach dem Unwetter:



Der Hagelsturm wütete in Rettenbach (Gemeinde Falkenstein; Kreis Cham) zwar nur wenige Minuten, diese Zeit reichte jedoch aus um eine geschlossene Hageldecke und große Hagelansammlungen zu hinterlassen. Es handelte sich um unglaublich dichten Hagelschlag:



Die nachfolgenden Hagelbilder wurden im Markt Falkenstein im Landkreis Cham aufgenommen. Dort in Falkenstein wütete das Hagelunwetter mitunter am heftigsten! Selbst 5 Stunden nach Abzug des Unwetters waren noch große Hagelberge und Hagelansammlungen zu finden. Selbst auf normalen Rasenflächen lagen überall noch Hagelkörner herum!

Hagelansammlungen, welche 5 Stunden nach dem Unwetter im Markt Falkenstein noch vorzufinden waren:





Der Hagelsturm war nur eine Sache von wenigen Minuten, allerdings hatten es diese Minuten so richtig in sich! Binnen kurzer Zeit bildete sich eine geschlossene Hageldecke und dort wo es die Hagelkörner zusammen schwemmte, formierten sich Berge an Hagelkörnern:



Massen an Hagelkörnern im Markt Falkenstein im Vorderen Bayerwald am Abend des 28.07.2020:



Große Hagelansammlungen in Falkenstein im Vorderen Bayerwald:





Teilweise wurden - wie hier in Rettenbach (Gemeinde Falkenstein) die Hagelmassen auch bis in die Kelleretagen hinunter gespült:



Danach ging es weiter nach Arrach (Kreis Cham). Von dort aus waren die abendlichen Gewitter über dem Alpenvorland schön mit Blick nach Süden zu beobachten! Zudem bildeten sich in der dortigen Talsenke dichte Bodennebelfelder aus, welche typisch nach schweren Hagelgewittern sind:



Dichte abendliche Bodennebelfelder in Arrach bei Falkenstein im Vorderen Bayerwald nach dem kräftigen Hagelgewitter:



Auch in Arrach konnten über 5 Stunden nach dem Unwetter noch gut 2 cm dicke Hagelkörner vorgefunden werden:



Solche Bodennebelfelder treten typischerweise nach kräftigen Hagelgewittern auf und waren am Abend des 28. Juli 2020 verbreitet im Oberen und Vorderen Bayerwald besonders in den Talsenken zu beobachten. Hier ist der Blick auf den Ort Arrach zu sehen:



Blick auf Arrach (595 m ü. NN) am Abend des 28.07.2020. Es bildeten sich bedingt durch die Hagelansammlungen dichte Nebelbänke entlang vieler Talsenken:



Nach Süden hatte man bei Mondschein einen wunderbaren Blick auf die entfernten Gewitterzellen über dem Alpenvorland. Zudem sorgte der Bodennebel für eine mystische Abendstimmung:



Einen Tag nach dem schweren Unwetter (am 29.07.2020) wurde das ganze Ausmaß der Schäden erst so richtig sichtbar! Alleine im Bereich zwischen Falkenstein – Michelsneukirchen – Traitsching wurden teilweise Dächer abgedeckt, unzählige Bäume entwurzelt/abgeknickt, Maisfelder komplett zerstört, Glas-Gartenhäuser zerschlagen und Obstbäume entlaubt. Die nachfolgenden Fotos wurden einen Tag nach dem Hagelorkan in Michelsneukirchen und hauptsächlich jedoch in der Gemeinde Traitsching aufgenommen.

Dieses Haus in Michelsneukirchen (Gemeinde Cham) wurde wegen des Unwetters durch Orkanböen und Großhagel stark in Mitleidenschaft gezogen:



Komplett vom Hagelorkan zerstörtes Maisfeld an der Landkreisgrenze Straubing-Cham bei Traitsching. Da Foto wurde am Vormittag des 29.07.2020 aufgenommen:



Mehr lies das Superzellengewitter vom einst über 2 Meter hohen Mais nicht übrig:



Völlig zerfetztes Maisfeld bei Traitsching einen Tag nach dem Unwetter:



Auf Wiesen fand man zwischen höherem Gras auch einen Tag nach dem Gewitter noch zahlreiche Hagelkörner vor:



Bei Trebersdorf (Gemeinde Traitsching) fand ich am 29.07.2020 und somit einen Tag nach dem Unwetter am Vormittag noch mehrere große Hagelansammlungen vor. Zudem wüteten dort Windböen in Orkanstärke, welche in diesem Gebiet für eine regelrechte Spur der Verwüstung mit vielen umgestürzten Bäumen und abgebrochenen Ästen sorgten:



Der Hagelorkan hinterließ deutliche Spuren…



Unzählige umgestürzte Bäume nach dem Unwetter gab es quer durch den Vorderen und Oberen Bayerwald wie hier bei Traitsching an der Landkreisgrenze Cham-Straubing Nähe der B20:

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