Standort/Infos zur Station


Am 07. Mai 2021 war es endlich so weit und es konnte die neunte Wetterstation des Wettermessnetzes Ostbayern im Ortsteil Haunsbach in der Gemeinde Wiesenfelden auf 591 m Höhe in Betrieb genommen werden. Die Wetterstation Haunsbach befindet sich am nördlichen Bereich der Wiesenfeldener Hochfläche/Hochebene unmittelbar in einem Bachtal. Es handelt sich bei der Wetterstation Haunsbach um ein Gemeinschaftsprojekt zwischen der Gemeinde Wiesenfelden und Martin Bohmann (Wettermessnetz Ostbayern). Da sich die Wetterstation Haunsbach in einer Talsenke direkt an einem Bach (Mietnach) befindet, bildet sich in windarmen, sternenklaren Nächten regelmäßig ein sogenannter Kaltluftsee aus. Im Kaltluftsee ist es dann in der Talsenke in Haunsbach in sternenklaren Nächten nicht selten um deutlich über 5 Grad kälter als auf den umliegenden exponierten Höhenzügen. Die Kaltluftseen in den Wiesenfeldener Talsenken können jedoch nur bei windschwachen, sternenklaren Nächten entstehen. Bei einer Alpenföhnlage mit mäßigen bis frischen Südwinden wird der nächtliche Kaltluftsee zeitweise markant gestört bzw. entsteht durch zu viel Wind erst gar nicht. Gleich in der ersten Nacht nachdem die Wetterstation am 07.05.2021 in Haunsbach in Betrieb ging, konnten bis zu -4,7 °C in den Morgenstunden des 08.05.2021 verzeichnet werden.

 

Wie entsteht eigentlich der nächtliche Kaltluftsee in Haunsbach?

Damit es überhaupt zur Bildung eines sogenannten Kaltluftsees in der Talsenke in Haunsbach kommen kann, müssen folgende Kriterien erfüllt sein:
- Ruhige, windschwache Hochdrucklage mit recht trockener Luft
- Sternenklarer Abend- bzw. Nachthimmel
- Windstille

Sofern diese Kriterien erfüllt sind, dann wird es in den Nächten in der Talsenke in Haunsbach im Vergleich zu umliegenden exponierten Höhenzügen und Hanglagen wesentlich kälter. In den Wintermonaten sind dann über Schnee und passender kalter Wetterlage auch mal rasch deutlich unter -20 Grad Celsius zu erwarten. Im Februar 2021 konnten durch sporadische Testmessungen in Haunsbach bis zu -22,3 Grad Celsius gemessen werden. Am Erdboden (5 cm) war es zur gleichen Zeit sogar unter -25 Grad Celsius bitter-kalt. Bei besonders kalten Wetterlagen sind in Haunsbach nachts bei perfekten Bedingungen auch um bzw. unter -30 Grad Celsius möglich. Selbst in den Sommermonaten ist bei kalten Wetterlagen in den Nächten in Ausnahmefällen leichter Luftfrost möglich. Frost in Bodennähe ist entlang der Bachsenke ganzjährig möglich.

 

Nun widmen wir uns jedoch der genauen Entstehung des nächtlichen Kaltluftsees in Haunsbach. Charakteristisch für Kaltluftseen ist die Ausbildung von starken Inversionen (=Temperaturumkehr; normalerweise nimmt die Temperatur mit zunehmender Meereshöhe ab). Wie oben bereits erwähnt, braucht es eine sternenklare, windstille Nacht damit es zur Ausbildung des Kaltluftsees kommt. Sind diese Faktoren erfüllt läuft folgendes Szenario am Standort Haunsbach ab:

- Unmittelbar ab Sonnenuntergang fällt die kältere (schwerere) Luft an den Hanglagen ab und sammelt sich in der Talsenke. Die kälteste und somit „schwerste“ Luft sammelt sich in einer ersten Phase an der tiefsten Stelle der Talsenke an. Diese unterste Luftschicht in der Senke kühlt immer weiter aus, neu produzierte und nachgelieferte Kaltluft aus den Hanglagen des Einzugsgebietes ist nicht ganz so kalt und schichtet sich über der kältesten Luft ein: Der Kaltluftsee beginnt sich auszubilden und wächst von unten her an.

- Da die Talsenke in Haunsbach nur ein sehr leichtes Gefälle aufweist, herrscht entlang des Baches nur ein minimaler Luftfluss. Da die Talsenke in Haunsbach talabwärts (im Nordwesten) durch Höhenzüge und einem dichtem Waldgebiet komplett abgeriegelt ist, kommt der Luftfluss zum Erliegen. Das bedeutet, dass sich in klaren, windstillen Nächten die abfließende Kaltluft (von den Hängen) in der Talsenke perfekt ansammeln kann. Es handelt sich in Haunsbach im Endeffekt um eine geschlossene Senke, da talabwärts ein dichter Fichtenwald und Höhenzüge den Luftfluss abriegeln.

- Ein weiterer Faktor wieso es in Haunsbach in klaren Nächten so kalt wird, sind die weiten baumfreien Einzugsgebiete rund um das Bachtal. Die Hänge sind verbreitet nicht bewaldet, sodass überschüssige bodennahe Warmluft perfekt abstrahlen kann.

- In der Gemeinde Wiesenfelden (und generell auf der Falkensteiner Hochfläche/Falkensteiner Vorwald) gibt es zahlreiche Talsenken und Mulden mit ähnlichen Bedingungen wie in Haunsbach. Das Tal in Heißenzell (Gemeinde Wiesenfelden) ist beispielsweise ähnlich kalt.


Aktuelles Bild der Wetterstation Haunsbach in der Gemeinde Wiesenfelden im westlichen Vorderen Bayerwald:



Am Standort Wiesenfelden-Haunsbach beträgt die langjährige Jahresdurchschnittstemperatur (der Jahre 1961-1990) nur etwa 5,8 °C. Aufgrund der globalen Erwärmung ist die Jahresdurchschnittstemperatur in den letzten 15 Jahren auf fast 8 °C angestiegen. Im Jahr treten in Haunsbach im Schnitt ca. 165 Frosttage auf. Spätfröste bis weit in den Mai hinein sind dabei keine Seltenheit. Bodenfrost ist selbst in den Hochsommermonaten zum Teil zu erwarten. In Extremfällen kann sogar im Sommer leichter Luftfrost auftreten. Die mittlere Jahresniederschlagsmenge beträgt am Standort Haunsbach rund 950 Millimeter. An ca. 200 Tagen im Jahr gibt es dabei messbare Niederschläge.

Haunsbach ist der Standort wo die tiefsten Temperaturen im gesamten Landkreis Straubing-Bogen vorkommen. Auf den höchsten Bergen des Landkreises Straubing-Bogen (im Bereich St. Englmar mit Höhenlagen von über 1000 Meter) ist es zwar über das gesamte Jahr hinweg im Schnitt (Jahresmittel) deutlich kälter als in Haunsbach, allerdings ist die Kälteextreme (mit den tiefst-möglichen Temperaturen an einzelnen Tagen im Winter) im Bereich der Wiesenfeldener Talsenken zu finden. Denn Täler kühlen nachts generell bei sternenklarem Himmel stärker aus als die Berge, da sich die kältere Luft in den Mulden und Senken bei Sternenhimmel ansammelt.


Lage von Wiesenfelden-Haunsbach in Bayern:



Umgebungskarte von Wiesenfelden-Haunsbach: