Anfang Januar - Rasantes heftiges Tauwetter

Nach einem ungewöhnlich schneereichen und kalten Dezember 2010 mit sogar Schneefällen direkt an Heiligabend zeigten bereits mehrere Modelle zum Jahreswechsel eine grundlegende Umstellung der Großwetterlage zu einer Westwetterlage mit Atlantikeinfluss an! Dieser Trend sollte sich in den weiteren Tagen der ersten Januarwoche bewahrheiten. Bereits am 06.01.11 gab es in ganz Deutschland verbreitet Tauwetter und Regen. Einzig in Ostbayern konnte sich bodennah noch für längere Zeit die kalte Luft halten. Dadurch kam es anfangs noch kurz zu Schneefall, im späteren Verlauf ging der Schnee in gefährlichen Glatteisregen über. Da sich die warme Luft zu Anfang nur in den oberen Luftschichten (über 800 m) durchsetzen konnte, regente es beispielsweise in Eggerszell trotz Temperaturen um -2 °C stark. Jeder einzelne Tropfen gefror allerdings sofort am Erdboden, was zu starkem Glatteis auf Straßen und Gehwegen führte! Einzene Straßen (sogar Staatsstraßen) waren teils nicht mehr befahrbar! Insgesamt fielen 10 Liter Regen (bei -2 °C) auf dem Quadratmeter auf noch tief gefrorenen Boden

Auf der gut 40 cm dicken Schneedecke bildete sich eine immer dicker werdende Eisschicht, dazu ein Bild der total vereisten Schneedecke am Abend des Heiligdreikönig-Tages 2011:


Nach stundenlangem Starkregen bei Temperaturen deutlich unter der 0 Grad-Marke bildete sich auf Pflanzen, Bäume und über der Schneefläche eine dicke Eisdecke:


Hier im folgendem Bild sieht man schön, wie sich bereits ein "Eispanzer" über die Schneedecke gelegt hat. Es sah beinahe so aus, als hätte man der Schneedecke eine Glasur verpasst:


So sah die Eggerszeller Wetterstation gegen Mitternacht aus. Die Wetterstation glich einem wahren Eispanzer! Gott sei Dank ist der Regenmesser der Station mit einer Heizug ausgestattet, sodass der Niederschlag trotzdem exakt gemessen werden konnte:

In den darauf folgenden Tagen setzte sich die milde Luft auch in den lange Zeit geschützten Lagen in Ostbayern durch. Immer wieder auf´s Neue drückten aus Westen fette Niederschlagsgebiete herein und sorgten für Tauwetter! Tag für Tag wurde schließlich der Schnee weniger, anfangs fiel das Tauwetter bei Temperaturen bis 4 °C relativ moderat aus. Am Mittwochabend des 12.01.11 waren von den anfangs gut 40 cm Schnee noch gut die Hälfte übrig! In der darauf kommenden Nacht zapfte ein weiterer antantischer Tiefausläufer sehr warme Luft aus dem tiefen Antlantik nach Mitteleuropa. Es hatte dabei neben extrem warmer Luft auch jede Menge Regen und Wind im Gepäck! Bei Temperaturen um 7 °C, teils starkem Regen und Sturmböen wurde der Schnee förmlich weg geföhnt! Innerhalb 24 h Stunden war der gesamte Vordere Bayerwald und auch weite Teile des restlichen Bayerwaldes bis auf 700 m schneefrei! Südwesthänge wurden sogar bis auf Höhen über 1000 m grün.

Insgesamt fielen innerhalb 24 Std. verbreitet um 25-40 mm Regen. Tauender Schnee in Verbindung mit Regen sorgten für rasch ansteigende Pegelstände an der Donau und kleineren Zuflüssen! Zwischen Regensburg und Passau wurde überall Meldestufe 4 erreicht! Sturmjägerkollege Martin Zoidl aus Jandelsbrunn (Freyung-Grafenau) analysierte dabei die Hochwasserlage in Form eines Chasingberichts in der Dreiflüssestadt Passau. Hier gelangen Sie zu den Hochwasserbildern aus Passau von M. Zoidl!

Eine geschlossene Schneedecke konnte sich nur noch an geschützten Waldrändern und teils an Nordseiten halten.

In nachfolgender Tabelle kann man anahnd der Schneehöhe, Regenmenge und der maximalten Temperatur schön den Verlauf des Tauwetters sehen/ableiten:

Schneehöhen und Regenmengen in Eggerszell:

  Schneehöhe in cm: Maximum Temp. in °C: Niederschlag in mm:
06.01.11 40 0,7 8,8
07.01.11 37 5,9 3,2
08.01.11 33 5,3 6,6
09.01.11 29 5,9 0,2
10.01.11 24 3,6 3,6
11.01.11 23 1,8 0,2
12.01.11 21 3,2 5,0
13.01.11 20 8,1 25,4
14.01.11 0-5 8,7 2,6
15.01.11 0 8,1 2,6

Damit Sie nun noch einen bildlichen Eindruck des wirklich rasanten Tauwetters bekommen, habe ich drei Bilder der Eggerszeller Wetterstation in zeitlicher Reihenfolge Online-gestellt.

05.01.11 - Bei Temperaturen um -7 °C und 40 cm Altschnee deutet noch nichts auf Tauwetter hin:


09.01.11 - Nach Regenfällen und deutlichen Plusgraden schrumpfte die Schneedecke auf rund 29 cm:


15.01.11
- 0 cm! Nach 36 h Dauerregen bei Temperaturen bis 8 Grad Plus und starken warmen Westwind, wurde die Schneedecke in rasender Geschwindigkeit in flüssige Form umgewandet. An der Station war dabei komplett schneefrei, eine geschlossene Schneedecke hat sich nur an geschützten Waldrändern gehalten. Am Waldrand in Eggerszell auf 480 m liegen z.B. noch bis zu 30 cm Schnee.


FAZIT: Insgesamt war dies das bisher aggressivste und vorallem schnellste Tauwetter was ich bisher hier im Vorderen Bayerwald erleben durfte! Innerhalb 7 Tage wurde eine 40 cm dicke Schneedecke weggetaut. Dies stellte für Anfang Januar in Eggerszell sogar einen neuen Tauwetter-Rekord auf! Noch nie zuvor wurde im Januar eine vergleichbare Schneemenge innerhalb dieser Frist komplett aufgetaut! Da wir hier im Vorderen Bayerwald (nahe der Donau) für längere Zeit von milder Luft aus Westen geschützt sind, fällt das Tauwetter normalerweise immer moderat aus. Diesesmal schaffte es der Atlantik mit immer wieder neuen Mildeinschüben die kalte Luft kompeltt zu vertreiben und die Schneedecke mit viel Regen und Wind in sagenhafter Geschwindigkeit zu Nichte zu machen.