13.07.2011 - Unwetter mit Tornado bei Plattling

Am 13.07.2011 gelangte auf der Vorderseite eines kräftigen Troges hochexplosive Gewitterluft nach Ostbayern! In der Nacht zuvor zog bereits ein Gewitterkomplex mit tollen Erdblitzen von Westen in den Bayerischen Wald. Trotz meist stark bewölkten Himmels und nur kurzen sonnigen Abschnitten zwischendurch war es besonders ab Mittag extrem schwül und dampfig. Die Luftmassen in Niederbayern waren wie geschaffen für unwetterartige Gewitter. So sollte es dann schließlich auch kommen, denn am späten Nachmittag löste sich über dem südwestlichen Bayern eine starke Gewitterzelle aus, welche sich rasch unter imenser Verstärkung in Richtung Nordosten verlagerte. Gegen 18:00 Uhr traf das heftige Unwetter in Niederbayern mit einer schwarzen Wolkenwand und dumpfen Donnergrollen ein. Der Kern des Gewitters traf dabei die Gebiete zwischen Plattling im Kreis Deggendorf und Bodenmais im Landkreis Regen mit einem verbreitet schweren Downburst (= Gewitterfallböe) und massiven Platzregens und Hagels. Der Orkan hinterlies dabei im genannten Gebiet eine Spur der Verwüstung! Er machte alles platt was ihm in den Weg kam: Haufenweise wurden Bäume abgeknickt bzw. zerfetzt, viele stabile Straßenschilder wurden einfach abgetrennt, Dachziegel und ganze Dächer fielen dem Orkan zum Opfer!

Bei Durchzug des Unwetters gab es zwischen Straubing und Deggendorf verbreitet sehr kräftigen Platzregen mit wenig Sicht, dazu gab es lokal heftige Fallböen weit über 120 km/h, welche sogar große Strommasten dem Erdboden gleichmachten:


Platzregen und dunkler Himmel während des Gewitters:


Sehr heftiger Platzregen! Besonders bei Stephansposching im Kreis Deggendorf mussten die Feuerwehren wegen Dutzend vollgelaufener Keller ausrücken. Innerhalb ca. 20 Minuten fielen örtlich bis zu 50 mm Regen:


Laut Radioberichten gab es wegen umgestürtzer Bäume auf der B8 zwischen Straubing und Plattling einen Stau. Links im Bild sieht man bereits erste zarte Sturmschäden an den Bäumen:


Sturmschäden, unmittelbar nach dem Unwetter:



Der Gewittersturm fegte mit einer unheimlichen Gewalt durch Niederbayern! Das Ausmaß der Schäden wurde erst in den darauf folgenden Tagen richtig sichtbar. Zwischen Haidlfing, Plattling und Stephansposching gab es verbreitet teils extreme Orkanschäden (viele abgetrennte stabile Verkehrsschilder oder große umgedrückte Strommasten), welche alle eindeutig als Downburstschäden (normale Schäden aufgrund eines heftigen Sturmes) eingeordnet werden konnten.
In einer kleinen Ortschaft names Sautorn südwestlich von Plattling war allerdings alles anders! Laut einiger Medienberichte soll dort angeblich ein Tornado gewütet haben. Dieser Spur wollte ich natürlich unbedingt nachgehen und ich machte mich zusammen mit Thomas Höferer aus Parkstetten auf dem Weg nach Sautorn und begutachtete dort die Schäden. Ich stand dem angeblichen Tornadofall anfangs sehr skeptisch gegenüber, dies sollte sich aber nach dem Besuch im Ort stark ändern!

In der Ortschaft Sautorn angekommen, sah man zunächst viele komplett zusammengedrückte Weizenfelder und einige weitere Sturmschäden wie z.B. sehr schiefe Antennenmasten, entwurzelte Bäume, eingedrückte Zäune! Zunächst deutete hier am Nordostrand des Ortes nichts auf eine Windhose hin, da die Fallrichtung der Bäume und anderer Pflanzen und Gegenstände alle in gleicher nordöstlicher Richtung zeigten. Da während des Unwetter heftiger Südwest- bis Westwind wehte passte dies sehr gut:


Schließlich gingen wir dann ortseinwärts und uns wurde nach den ersten eingestürzten Häusern bald sehr deutlich klar mit welcher unheimlichen Wucht das Gewitter hier durchzog. Die Menschen hier im Ort waren gerade alle fleißig mit den Aufräumarbeiten beschäftigt:


Nur ca. 100 m weiter westlich im Ort änderte sich die Situation nun drastisch: Plötzlich lagen alle Bäume nicht mehr in nordöstlicher Richtung am Boden, sondern beinahe 180 ° verdreht in Richtung Südwesten. Der Besitzer dieses Gartens zeigte mir in diesem Rasen Kieselsteine, welche aus dem inneren des Hofes in Richtung Südwesten in das Gras gewirbelt wurden. Als ich die Schäden in diesem Garten sah, legte sich meine anfängliche Skepsis hinsichtlich eines Tornadofalles sehr deutlich:


Dieser Baum stand nur ca. 10 Meter von den Obstbäumen im oberen Foto entfernt und wurde beinahe 180 ° in eine andere Richtung entwurzelt. Dies kam mir ebenfalls sehr verdächtig vor. Die Besitzerin dieses Grundstückes erzählte mir: "Sie habe den Tornadorüssel sogar gesehen als dieser sich zu Boden senkte"


Dann kamen wir ganz im Südwestrand des Ortes Sautorn an, wo wir dieses stark zerstörte Haus auffanden. Dieses Haus sollte nun den eindeutigen Beweis für einen Tornado liefern! Wie man im Bild schön sehen kann, ist der Antennenmast nicht wie die anderen vorher nach Nordosten umgedrückt worden sondern nach Südwesten:



Hier im Panorama sieht man sehr deutlich, dass es sich hier nicht um einen Downburst gehandelt haben kann. Der Grund dafür sind Dachziegel und Reste von Isoliermatten, welche nach Abriss des Dachstuhl in die freie Luft gelangten und umher gewirbelt wurden. Während des Unwetter wehte verbreitet in der Region extrem starker Wind aus West bis Südwest (siehe z.B. erstere Bilder oben + Fotos vom umgestürtzten Strommasten). Dieser Wind hätte normalerweise bei dieser Windrichtung die Isoliermatten weit in die Mitte der Ortschaft in Richtung Nordosten wehen müssen. Die gelben Matten wurden allerdings in Richtung Süden geweht. Ich konnte sogar noch Isoliermatten ca. 600-700 m südlich des Hauses auffinden, welche eindeutig dem Haus zuzuordnen sind. Dies bedeutet, dass hier in Sautorn eine Windhose gewütet haben muss, denn selbst eine Tür im oberen Stockwerk dieses Hauses wurde weit nach Süden transportiert:


Ein Tornado riss hier am 13.07.2011 einen Teil des Dachstuhls weg:


Hier sieht man es auch nochmals sehr schön: Das Foto wurde aus südwestlicher Richtung aufgenommen. Die Isoliermatten aus dem Dachstuhl sind in Richtung Süden anstatt nach Nordosten gewirbelt worden. Siehe auch den verbogenen Antennenmast auf dem Hausdach, welcher ebenfalls in Richtung Süden zeigt:


Diese Reithalle wurde von der Windhose komplett dem Erdboden gleichgemacht. Dieses Teil des Daches gehört zu dem Haus im oberen Bild. Das Dach wurde erst nach ca. 150 m wieder zu Boden geworfen. Aufgrund solch massiver Schäden, müssen im Tornadotrichter Windgeschwindigkeiten von weit über 120 km/h vorgeherrscht haben (F1 Tornado). Ob die Windhose örtlich (und kurz beschränkt) mit über 180 km/h gewütet hat (F2 Tornado), ist hinsichtlich der Schäden durchaus denkbar.


Diese Tür wurde aus dem Dachstuhl des oben genannten Hauses gewirbelt. Allerdings nicht in Richtung Nordosten (wo die Tür eigentlich zu Boden hätte fallen sollen) sondern ca. 50 m weiter südlich. Ein weiterer Beweis, dass hier ein Tornado gewütet haben muss:


Diese Isoliermatten stammen von diesem Haus. Komischerweise liegen diese Matten in exakt entgegengesetzter Richtung als die Hauptwindrichtung während des schweren Unwetters:


Panoramaaufnahme von West nach Ost: Die Isoliermatten wurden anstatt nach Nordosten in Richtung Süden transportiert:


Sautorn - ein Dorf nach Durchzug eines Tornados. Man sieht hier wieder sehr gut, wie eng begrenzt die schweren Schäden waren, denn die Reithalle links im Foto ist komplett zerstört und eingefallen, während das Wohnhaus rechts im Bild komplett unversehrt ist. Dies spricht für eine recht großräumige Trichterwolke, welche wie eine Hand nur ab und an Kontakt zum Boden hatte:


Totale Zerstörung - ein Bild wie nach einem Bombeneinschlag:


Diese Überreste stellten noch vor wenigen Tagen eine gut genutzte Reithalle dar! Tiere wurden aufgrund des Tornados aber nicht verletzt:


Zum Schluss begaben wir uns noch auf die Südseite des Ortes Sautorn. Dort führt eine Staatsstraße vorbei:


Passt! Dieser Baum fiel wieder in Richtung Osten, was der Hautpwindrichtung entsprach:


Total demolierte Reithalle nach Tornadodurchzug:


Das absolute Beweisfoto konnte ich schließlich ca. 300 m südlich von Sautorn knipsen! Ich fand dort wieder überall Fetzen der Isoliermatten von diesem einem gesagten Haus. Dieses Haus ist übrigens auch nördlich der Isoliermatten auf dem Foto zu sehen. Der Tornaod muss zunächst den Dachstuhl abgerissen haben und anschließend wirbelte er die dazugehörigen Isoliermatten weit nach oben und fielen letzten Endes hier auf diesem Feld wieder zu Boden:


Überall liegen südlich des Ortes Reste von Isoliermatten, welche eindeutig dem Haus am Südwestrand von Sautorn zugeordnet werden konnten:


Laut Augenzeugen zu Folge soll der Durchzug des Sturms nur wenige Sekunden gedauert haben, was ebenfalls deutlich für einen Tornado spricht. Ein Anwohner erzählte mir: "Es hörte sich während des Sturms an, als ob ein ein riesengroßer Bienenschwarm ums Haus ziehen würde!"

Ebenfalls sehr merkwürdig ist, dass der Zaun nur eng begrenzt zerstört ist und Überreste von Isoliermatten genau in Zugrichtung zum Haus liegen. Für mich sah dies schwer nach einer Schneise aus:


Zerfetzte Bäume bei Sautorn:


Der Orkan riss sogar Verkehrsschilder einfach wie Spielzeug um:


Selbst vor einem riesigen Strommasten kannte der Sturm keine Gnade und riss ihn einfach zu Boden:

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