08.06.2008-Superzelle mit Tornado bei Eggerszell

Wetterlage am 08.06.2008:
Am Rande hohen Luftdrucks über Skandinavien gelangte trockenwarme Festlandsluft in den Norden und Osten Deutschlands. Im Süden des Landes bestimmte nach wie vor feuchtwarme Luft das Wetter.

Kurze Erklärung der Entstehung des Tornados:
Tornados entstehen durch den Kontakt von trockener Kaltluft mit feuchtwarmer Luft. Bei starken Gewittern herrschen starke Aufwinde vor. Mit der Höhe ändert der Wind die Richtung, und die Aufwinde beginnen zu rotieren, weiten sich nach unten aus und führen zu der charakteristischen Trichterform. Bei günstigen Bedingungen gelangt der Trichter bis zum Boden und wird dann zum Tornado. Durch den niedrigen Druck in der Luftsäule kondensiert Wasserdampf und macht den Tornado sichtbar. Genauso war es auch bei unseren Tornadofall bei Eggerszell, denn über Skandinavien lag ein kräftiges Hochdruckgebiet mit trockener Luft. Bei uns im südlichen Deutschland war noch feuchtwarme Luft Wetterbestimmend. Diese Konstillation aus trocken-warmer und feucht-warmer Luft ließen starke Gewitter mit extrem starken Aufwinden entstehen. Teils wurden im Aufwindbereich bis zu 5 verschieden hohe Wolkenschichten im Unwetter gesichtet. Aus der tiefsten Wolkenschicht (unterhalb der Wallcloud) entstand schlussendlich der Eggerszeller Tornado. Der Aufwind begann zu rotieren und senkte sich zu Boden und zerstörte ein Teil eines Waldstückes! Er „lebte“ für ca. 15 -20 Minuten und löste sich dann Stück für Stück auf.

Rotierende Wolkenfetzen ziehen direkt über Eggerszell, wenige Minuten später bildet sich daraus der Tornado:

Gewitterbericht:
Der Sonntag des 08. Junis 08 startete zunächst freundlich mit viel Sonnenschein und nur einzelnen Quellwolken. Bereits am späten Vormittag wurden die Quellwolken immer dicker und dunkler. Bald wurde der gesamte nördliche Teil des Landkreises Straubing-Bogen rasch von dunklen Wolken bedeckt. Der Aufwind der nun bereits gewaltigen Zelle rotierte bereits deutlich, ebenfalls blitzte es bald im Sekundentakt. Als sich unterhalb des konstant-rotierenden Aufwindturmes eine Wallcloud bildete, wurde mir klar: Eine Superzelle war geboren!

Nur wenige Minuten später begann sich unterhalb der „Mauerwolke“ ein Tornado zu bilden, welcher bald Kontakt zum Boden hatte! Die Windhose bildete sich nur ca. 1 km südlich von Eggerszell, zog dabei nur langsam in südwestliche Richtung weiter. Es war faszinierend zu sehen, wie stark die Rotation direkt am Erdboden war, Staub und Äste wurden bis in die Gewitterwolke hinauf gewirbet! Der Tornado hatte dabei für knapp 15 Minuten Bodenkontakt. Gott sei Dank tobte sich der Tornado in einem großem unbewohnten Waldgebiet bei Falkenfels aus. Aus diesem Grund gab es keinerlei Sachschäden. Der Wald wurde allerdings in einem Umkreis von ca. 500 m stark verwüstet.

Ich befand mich in Eggerszell an der westlichen Seite der Superzelle, sprich im Aufwindbereich! Die ersten rotierenden tiefhängenden Wolken zogen dabei direkt über Eggerszell hinweg, nur wenige Meter südlich reifte der Tornado aus, d. h. er hatte Kontakt zum Erdboden. Den stärksten Niederschlag gab es im mittleren Landkreis Straubing-Bogen, in den Ortschaften zwischen Mitterfels und Parkstetten! Bei Steinach gab es Hagelkörner mit über 4 cm Durchmesser!


Rotierende Wolken - Vorboten des Tornados über Eggerszell:


Unterhalb der Wallcloud bildet sich der Tornado und bekommt bald Bodenkontakt:




Sehr gut organisierter Aufwindbereich der Superzelle mit Tornadorüssel:






Der Tornado wütet teils mit weit über 120 km/h:




Ausgewachsener Tornado im Landkreis Straubing-Bogen:


Rechts im Bild der sehr gut organisierte Aufwind, links der Abwind des Gewitters, welches extremen Platzregen und Hagel bis 5 cm produzierte:



Die Windhose nimmt zwischenzeitlich eine sehr schöne trichterförmige Struktur an:






Der Tornado zog weiter in Richtung Südwesten, wobei er erneut Kontakt zum Erdboden bekommt:



Auch Hubert Rehm aus Falkenfels beobachtete die Trichterwolke, hier befindet sich der Tornado bereits wieder im Endstadium:


Der Tornado wurde auch in Falkenfels durch Martin Scheifl beobachtet:



Schäden aufgrund des Tornados:
Ich machte mich noch am nächsten Tag auf den Weg nach der Schadenspur. Zunächst fand ich nur einzelne Bäume neben einer Straße bei St. Johann welche alle ohne Gipfel waren.

Als ich dort in den Wald hineinstieg sah ich bereits komplett ausgehobene bzw. entwurzelte Buchen.

Als ich weiter in Richtung Nordosten ging kamen mir immer wieder entwurzelte Bäume in den Weg. Plötzlich fand ich die Hauptverwüstung im Wald, dort wo der Tornado am längsten gewütet hatte. Im Umkreis von ca. 200-300 m wurden fast alle Bäume entweder entwurzelt oder einfach umgeknickt. Einige Bäume wurden auch unten abgespalten oder direkt ohne Wurzeln aus dem Boden gezogen.

An einigen Bäumen war auffallend, dass kaum noch Äste dran waren, der Tornado hatte die Äste mit einer unglaublichen Kraft einfach abgetrennt und in die Luft geschleudert. Einige Meter davon entfernt lagen sie wieder total zerstört am Boden. Aufgrund der Stärke der Tornados, werden diese in 5 Stufen eingeteilt! Nach der Auswertung der Schäden im Waldgebiet, stellte sich heraus, dass mind. Windgeschwindigkeiten von 120 bis 140 km/h vorgeherrscht haben müssen. Teils wurden die Bäume in Stücke zerfetzt, bzw. am Stamm aufgesprengt. Einige Buchen wurden sogar ohne Wurzeln aus der Erde herausgehoben! Letzten Endes ist von einem F1 Tornado auszugehen, allerdings könnte der Eggerszeller Tornado auch durchaus kurzzeitig die Stärke eines F2 Tornados erreicht haben.

Nachfolgend eine kleine Auswahl von Schadensbildern:


Tornados werden aufgrund ihrer unterschiedlichen Windstärke im Wirbel in 5 Stufen eingeteilt:

Die Fujita-Tornado-Skala

Klasse Windgeschwindigkeit in km/h Bezeichnung: Kennzeichen an Land:
F0 < 100 km/h schwach Nur kurzzeitiger Bodenkontakt, kaum Schäden an Bäumen
F1 > 118 km/h mäßig schwere Schäden an Gebäuden, Schneise durch Waldgebiete
F2 > 180 km/h stark verheerende Schäden an alle Gebäuden
F3 > 253 km/h verwüstend ganze Häuser werden zerstört
F4 > 332 km/h vernichtend Vernichtung ganzer Ortschaften, Schiffe werden hunderte von Metern weit geworfen, aktute Lebensgefahr für Mensch und Tier
F5 > 418 km/h katastrophal selbst tonnenschwere Flugzeuge und Schiffe werden hunderte von Metern geworfen, akute Lebensgefahr für Mensch und Tier, Vernichtung fast aller Gebäude

Weitere Links zum Eggerszell Tornado:

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