Geschichtliche Ereignisse

Die Besiedlung unserer Heimat

Der Nortwald

Unsere Heimat, die wir heute noch den "Wald" nennen, war vor Jahrtausenden eine riesige Wildnis, die von den im Gäubodenland eingewanderten Vorfahren der Baiern, den Bajuwaren, "Nortwald" genannt wurde. Dieser Urwald zwischen dem Donauland und Böhmen hatte aber schon vorher andere Namen. Die Kelten nannten ihn "Gabreta", was soviel wie "Steinbockswald" bedeutet.

Als die Römer Herren des Donaugaues waren, hieß er "Hercynia saltus", auf Deutsch: Eichenwald. Es war, wie der Name schon verrät, vorwiegend ein Laubwald. Viele Ortsnamen, Flur- und Familiennamen erinnern heute noch an ihn. Zahllose Tierarten, von denen heute schon viel ausgerottet sind, bevölkerten damals unsere Heimat. Wir begegnen ihnen ebenfalls in zahlreichen Wortdenkmälern in den Orts-, Flur- und Familiennamen. Über die Pflanzen- und Tierwelt der einstigen Urwälder in unserem Vaterland gibt es so viele gute ausführliche Beschreibungen, dass es müßig wäre, so allgemein zugängliche Kenntnisse auf dieser Homepage zu wiederholen!

 

Der Boierweg

Die Anfänge der Urbarmachung des Nortwaldes liegen in einer Epoche, die als "urkundenlose Zeit" bezeichnet wird. Wir haben deshalb keine sicheren Nachrichten über die Besiedelung unserer Heimat. Vieles, was darüber schon geschrieben worden ist, wurde später wieder verworden oder anders ausgelegt.

Ganz menschenleer war der Nortwald auch vor der Besiedlung nicht. Herbert Lindner hat an mehr als 200 Fundstellen nachgewiesen, dass in dieser Wildnis schon in der Stein- und Bronzezeit Menschen gelebt haben. Seine Nacheiferer haben inzwischen die Zahl der Fundstellen - insbesondere auf den Donauraum hin - erheblich vermehrt. In unserer Nachbargemeinde Wiesenfelden wurde 1949 bei der Ortschaft Ebenhof (bei Zinzenzell) ein Faustkeil gefunden. Am Rande des Vorwaldes entdeckte man bei dem Dorf Münster (Lkr. Straubing) im Jahre 1920 Werkzeuge und Geräte von Steinzeitmenschen. In der Donauebene wohnte schon vor 6000 Jahren ein Ackerbauervolk. Es wurde später von anderen Einwanderern aus dem Osten abgelöst. Von den Völkern, die dort in dem fruchtbaren Lößland in vorgeschichtlicher Zeit lebten, waren die Kelten das kraftvollste. Sie hatten schon eine Kultur, kannten den Umgang mit Geld und errichteten die ersten Städte namens "Radasbona" (=Regensburg), "Serviodurum" (=Straubing) und "Bojodurum" (=Passau). Von diesen Städten aus führten jeweils schon rund tausend Jahre vor Chr. Geb. Handelswege nach Böhmen hinein, wo damals auch Kelten wohnten. Der am meisten benutzte und bequemste dieser Wege war der sogenannte "Boierweg", der von Serviodurum (Straubing) durch das Kinsachtal, die Chamer und Furter Senke nach Böhmen führte und in seinem Verlauf etwa der heutigen B20 entsprach. Es kann als sicher angenommen werden, dass es entlang dieser Heer- und Handelsstraße schon damals menschliche Ansiedlungen gab, in denen Jäger und Fischer wohnten und die den keltischen Handelsleuten als Stützpunkte und Rastorte auf ihrer weiten Reise dienten. Manche dieser kleinen Ortschaften mögen später zu Kristallisationspunkten der planmäßigen Besiedlung unseres Heimatraumes geworden sein. Die beiden Urpfarreien des Kinsachtales, Stallwang und Ascha, könnten solche keltische Ursiedlungen gewesen sein.


Kriegsnot und Kriegsrüstung

In alten Zeiten hatten unsere Vorfahren bei Kriegsereignissen besonders viel zu leiden. Damlas versorgte sich jedes Heer mit Verpfelgung und Futter für die Tiere in dem Gebiet, wo es gerade war. Was man brauchte, nahm man den Bauern einfach weg. Dabei verübten die Bewaffneten allerlei Greueltaten und nutzten die Gelegenheit, um möglichst viel Beute zu machen. Zwischen feindlichen und eigenen Heeren gab es da kaum einen Unterschied.
Das Landgericht Mitterfels hatte aber auch eine eigene Streitmacht. Das Mitterfelser "Landaufgebot" war das drittstärkste in Niederbayern. Jeder zehnte Mann muste in dieser Militärabteilung des Bayernherzogs Dienst tun. Das ganze Gerichtsgebiet war in Hauptmannschaften eingeteilt, welche wieder einem Schergenamt unterstanden. Diese befeligte der Landrichter. Die Obleute der Hauptmannschaften suchten die geeineten jungen Leute für den Waffendienstaus und fürhten sie dem Landrichter bzw. dem zuständigen Schergen zu.
Bei einer Musterung der Mitterfelser Streitmacht um die Osterzeit des Jahres 1507 hatte diese ohne Adelige und Klöster 886 Mann. Diese waren mit 243 Büchsen, 158 Armbrüsten und Stacheln, 343 Hellebarden, 242 Alspießen oder Bratspießen (= lange, spitzige Spieße) bewaffnet. In den Ussitenkrigen war diese Mannschaft besonders notwendig. Die Tschechen verheerten damals unsere Heimat mit Raub- und Beutezügen. Der tapfere Hauptmann Erasmus von Sattelbogen und die mutigen Frauen von Falkenstein sind damls berühmt geworden. Die Tschechen pflegten den Gegner mit einem fürchterlichen Gebrüll einzuschüchtern, das den Sattelbogener aber nie beeindruckte. Da er sich stets tapfer zur Wehr setzte, war er von den Eindringlingen bald besonders verhasst. DIe Frauen von Falkenstein verteidigten 1428 die dortige Burg auch dann noch gegen die Hussiten, als alle Männer bereits gefallen oder verwundet waren.
Nach den Bauernkriegen kam diese Streitmacht der Mitterfelser ab, denn man getraute sich nicht mehr, den Bauern Waffen zu geben. Statt der allgemeinen Wehrpflicht, wie man dies nennen könnte, wurden nun bezahlte Kriegsknechte eingestellt, die man Landsknechte nannte. Diese dienten um Geld dem, der am besten zahlte!


Der Frankreichkrieg 1870/71

An dieses Ereignis erinnert in unserer Heimat der Kreuzweg, der von der Klettbauernkapele aus zum Pilgramsberg emporführt. Diese Kapelle selbst ist heute eine Ruine. Der Kreuzweg aber besteht imer noch. Er wurde von dem Bauern Georg Eich von Haunkenzell zum Gedächtnis für die im Kriege gegen Frankreich gefallene Söhne der Heimat gestiftet.


Die Weltkriege 1914-18 und 1939-45

Diese beiden Kriege brachten unserer Heimat, dem ganzen deutschen Volk und vielen Milionen anderer Menschen in der ganzen Welt ungeheures Leid und Elend. In unserer engeren Heimat fanden zwar keine Kampfhandlungen statt, es wurde auch kaum etwas zerstört oder beschädigt. Der Blutzoll aber, den unserere Familien in diesen beiden Weltkriegen zu entrichten hatten, war furchtbar. Viele von Ihnen verloren durch diese geschichtlichen Ereignisse gleich mehrere Angehörige.

 

Das Kriegsende 1945 und die Nachkriegszeit

Unsere engere Heimat war in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges vom Glück im Unglück begünstigt. Es fanden hier keine Kampfhanldungen statt, kein Menschenleben war zu beklagen und kein Gebäude wurde durch Kriegseinwirkungen wesentlich zerstört.
Indessen konnten die Einwohner unserer Ortschaften von den Höhen der Heimat aus oft beobachten, wie in den benachbarten Städten die Bomben fielen und dort die weithin sichtbaren Brände loderten. Besonders schwer wurde Straubing durch einen Luftangriff am 18. April 1945 mitgenommen. Einige Bürger unserer Gemeinde waren dabei, denn trotz des Krieges bestand auch in dieser Zeit noch ein Warenaustausch zwischen den Waldgemeinden und der Gäubodenstadt. Nicht selten wurden sie dabei während der Verrichtung der Geschäfte in der Stadt von einem Luftangriff überrascht und mussten mit den Straubingern die Luftschutzkeller teilen!
In ländlichen Gegenden wurden die auf den Feldern arbeitenden Landwirte oft durch feindliche Tiefflieger in Angst und Schrecken versetzt, und so mancher ließ sein Kuh- oder Ochsengespann stehen und robbte auf allen Vieren einem sicheren Ort zu. Es war aber hierbei bei uns kein einziges Menschenleben als Opfer zu beklagen. Wahrscheinlich galten die von den Fliegern abgegebenen Schüsse in den meisten Fällen irgendwelchen militärischen Zielen.
Am 25. April 1945 wurden unsere Ortschaften, nachdem man vernünftigerweise überall die weißen Fahnen gehisst hatte, von amerikanischen Truppen besetzt. Die Häuser wurden nach Soldaten und Wafffen durchsucht, wobei die Ami auch die Ablieferung von Eiern und Hühnern verlangten.
Über die noch funktionierende Gemeindeverwaltung wurde die Ablieferung sämtlicher Waffen und Fotoapparate gefordert. Ausgangsperren beschränkten die Bewegnungsfreiheit der Bevölkerung auf wenige Stunden am Tag. Überall wurde nach ehemligen Angehörigen der Nazi-Partei und ihrer Organisation gefahndet. Wer eine führende Stellung hatte, wurde ins Gefängnis oder in ein Lager abgeführt. Die anderen wurden später von sogenannten Entnazifizierungserichten abgeurteilt, die von der Militärregierung eingerichtet worden waren.
Gleich nach der Besetzung wimmelte es in den Wäldern von deutschen Soldaten, die ihrem Heimatort zustrebten. Den Bewohnern war es bei strengsten Strafen verboten, solche ehemalige Wehrmachtsangehörige aufzunehmen und zu verpflegen. Trotzdem gab es aber mitleidige Menschen, die die armen, heruntergekommenen und zerlumpten Landser verügergehend unterbrachten und verköstigten, ehe sie wieder weiterzogen. Viele wurden von den überall mit ihren Jeeps umherflitzenden Amistreifen gefasst und in Sammelstellen gebracht. Leider wurden manche davon noch nachträglich an die Russen ausgefliefert. So geschah es dem Mesnerssohn Xaver Besinger von Pilgramsberg, der die Heimat schon erreicht hatte. Er musste noch einmals in ein Lager, von wo aus er nach Russland in die Kriegsgefangenschaft verschleppt wurde.
Ein ernstes Prolblem bedeutete für die Gemeinde der starke Zustrom von Evakurierten, Flüchtlingen und Heimatvertriebenen. Schon während des Krieges mussten aus den von den Bombenangriffen heimgesuchten Städten verschiedene Familien aufgenommen und untergebracht werden. Hinzu kamen im Winter 1944/45 die Flüchtlingstrecks aus Ostdeutschland. Nach dem Kriegsende wurden drei Millionen Sudetendeutscher aus der Tschechoslowakei vertrieben. Die Militärregierung wies jeder Gemeinde eine gewisse Anzahl solcher Vertriebener zu, und diese musstenwohl oder übel untergebracht werden. Dies brachte für die auf engstem Raum zusammengepferchten Menschen in den Ortschaften und Häusern viel Missverständnisse, Ärger und Verdruss. Not, Hunger, Arbeitslosigkeit, Krankheit und Verzweiflung machten die Menschen missmutig und verdrossen, gereizt und aufsässig. Ein schweres Los war es, in dieser Zeit Bürgermeister zu sein und es möglichst allen recht zu machen.
Der verbotene Schwarzhandel blühte in dieser Zeit, und wer diesen am besten verstand und nicht erwicht wurde, dem geing es auch in dieser Notzeit ganz gut. Allmählích jedoch trat eine Besserung der Verhältnisse ein. Für die Schulkinder wurde die Schulspeisung eingeführt. Die Alliierten, insbesondere die Amerikaner, halfen durch Liebespakete und andere Maßnamen, die ärgste Not zu lindern. Unternehmungslustige Menschen eröffneten Betriebe, die Arbeit und Verdienst brachten, freilich oft nur bis zur Währungsreform, nac hder viele wieder vor dem Nichts standen. Sehr viele unserer fleißigen und sparsamen Menschen wurden über Nacht um ihre Ersparnisse gebracht. Mit dem Kopfgeld von 40,- DM, wofür man 60,- RM zu erlegen hatte, musste man 1948 wieder von vorne anfangen.
Eine große Unsicherheit herrschte in den Nachkriegsjahren auch durch die Plünderungen und Übergriffe, die von den ehemligen Arbeitskräften aus den Ostländern sowie von entlassenen Kazettlern ausgingen. Besonders die etwas abgelegeneren Ortschaften waren bedroht. Hinzu kamen noch berufsmäßig vorgehene einheimische Einbrecher, die organisierte Raub- und Beutezüge unternahmen und en Landwirten ihre Hühner und andere Schlachttiere raubten. Es gelang aber bald, diese Banden dingfest zu machen!
In den nächsten Jahren kehrten almählich auch die Kriegsgefangenen in die Heimat zurück. Viel von ihnen kamen krank, abgemagert oder als Versehrte wieder. Für manchen war dererhoffte Arbeitsplatz inzwischen von anderen besetzt, die da Glück hatten, nicht in Gefangenschaft geraten zu sein.
Die Amerikaner blieben nicht allzulange nach ihrem Einmarsch hier. Als Besatzungsmacht wurde später für ungefähr ein Jahr eine englische Einheit in Pilgramsberg stationiert, die im Gasthaus Schedlbauer untergebracht war. Hatte man sich schon kurz nach der Besetzung bald mit den amerikanischen Soladten angefreundet, so war dies um so mehr bei den Tommys der Fall. Sie waren ja längere Zeit da als die Amis, die schon nach wenigen Wochen wieder abgezogen waren. Darum kannte man einiger Zeit fast jeden einzelnen dieser Engländer. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich rund um das Gasthaus Schedlbauer in Pilgramsberg ein lebhafter Tauschhandel. Landprodukte wurden dabei in Dinge umgewchselt, die bei uns rar waren wie Bohnenkaffee, Zigaretten und andere hochbegehrte Kostbarkeiten.


Johann Nepomuk Freiherr von Poißl

Poißl

Dieser Sprössling des Adelsgeschlechtes derer von Poyßl gehört zu den berühmtesten Leuten, die unsere Gemeinde hervorgebracht hat. Als Musiker und Tondichter war er lange Zeit fast vergessen. Jetzt aber besinnt sich die Heimat wieder ihres Sohnes.

Johann Nepomuk von Poißl wurde am 15. Februar 1783 im Schloß Haunkenzell geboren. Die Eltern des Komponisten waren, wie bei der Hofmarksgeschichte schon erwähnt, Johann Nepomuk von Poyßl und Anna Maria von Poyßl, geborene Schüoff von Wildenwart. In diesem Hause wurde die Musik gepflegt. Der junge Poißl besuchte das Straubinger Gymnasium. Einstiger Studienrat Alfons Huber aus Straubing konnte in den alten Matrikeln des humanistischen Gymnasiums noch einen Eintrag über ihn aus dem Jahre 1799 ausfindig machen. In diesem Jahr schloss Poißl die Schule mit dem Abitur ab. Schon hier zeigten sich seine späteren Talente. Er wird in dem Eintrag als „sehr fähig“ und „vom größten Fleiße“ bezeichnet. Seine Sitten waren „Probatissimi“ (= die vortrefflichsten) und bei der Abschlussprüfung war er an dieser Schule „inter optimos quintus“, d. h. der Fünfte unter den Besten!

Nach dem Besuch des Gymnasiums setzte Poißl seine Studien 1800 an der Universität in Landshut fort. Ab 1805 studierte er in München bei F. Danzi und bei G. J. Vogler. Im Jahre 1802 heiratete er die um fünf Jahre ältere Walburga Gräfin von Hegnenberg-Dux. Sie schenkte ihm drei Söhne und eine Tochter. Nach ihrem Tode 1826 verehelichte er sich 1828 erneut mit der Regierungspräsidententochter Katharina Freiin von Weinbach. Aus dieser zweiten Ehe gingen noch zwei Söhne und eine Tochter hervor.

In wirtschaftlicher Hinsicht erging es Poißl sein Leben lang schlecht. Vom Vater hatte er das Stammgut Loifling erhalten, verstand aber von dessen Wirtschaftsführung herzlich wenig. So kam es schließlich 1818 zur Versteigerung des väterlichen Stammsitzes. Der Straubinger Bierbrauer Johann Michael Grafwalllner erwarb es um 24.000 Gulden. Poißl musste sein Gut mit der Familie verlassen und zog nach München. Hier ging es ihm anfangs sehr schlecht. Er litt bittere Not, da er sich schämte, sein Brot auf unstandesgemäße Weise als Musikant bei alltäglichen Gelegenheiten zu verdienen. Weil er aber als Komponist damals schon bekannt war, gewährte ihm König Max I. bis zum Freiwerden einer angemessenen Stelle eine Unterstützung von 1.000 Gulden jährlich.

Ende 1823 wurde er endlich zum zweiten Intendanten der Kgl. Bayerischen Hofmusik ernannt. Am 1. Mai 1824 wurde er auch zum provisorischen Intendanten des Hoftheaters bestellt und ear dann ab 5. Mai 1825 Leiter dieser beiden Institutionen. Er erhielt in dieser Eigenschaft ein Jahresgehalt von 4.500 Gulden. Als Theaterdirektor war von Poißl in wirtschaftlichen Dingen ebenso vom Pech verfolgt wie bei der Verwaltung seiner inzwischen schon verlorenen Güter. Die Theaterkasse geriet während seiner Zeit als Direktor in immer größere Schulden. Am 28. Februar 1833 wurde er dieses Amtes schließlich enthoben, aber die Hofmusik leitete er noch bis 1847. In diesem Jahr wurde er zum Oberstkammerherren ernannt. 1848 wurde ihm noch einmal für ein halbes Jahr lang vom 1. Januar bis zum 5. Juli die Direktion des Hoftheaters übertragen. Er wurde auch mit hohen Orden ausgezeichnet, aber als er 1848 in den Ruhestand trat, geriet er bald in Vergessenheit. Seine Werke wurden ab 1860 ganz aus dem Repertoir der Hofmusikintendanz herausgenommen und er Bayerischen Staatsbibliothek übergeben.

Das musikalische Schaffen von Poißls umfasst insgesamt 13 Opern und eine sehr große Zahl von Singspielen, Werken der Kirchen- und Kammermusik, Oratorien und Kantaten. Er war schon früh mit Danzi und durch dessen Vermittlung ab 1811 auch mit Carl Maria von Weber durch eine herzliche Freundschaft verbunden. C. M. von Weber tobt an seiner Musik die klare, sangliche Melodik, die reiche Harmonienfolge und die überlegte, abwechslungsreiche Art des Einsatzes der verschiedenen Musikinstrumente. Der Komponist war vielseitig gebildet und schreibgewandt. Er schrieb auch selbst Texte, übersetzte Schauspiele aus der französischen in die deutsche Sprache. Man zählt ihn zu den Frühromantikern der deutschen Musik, welche sich um die Schaffung einer deutschen Oper große Verdienste erworben haben.

Den größten Erfolg errang Poißl zu seinen Lebzeiten 1814 mit der Oper „Athalia“. Sie galt damals in der Zeit der Befreiungskriege nahezu als eine nationale Tat und wurde an allen bedeutenden Bühnen Deutschlands und Österreichs gespielt. Auch seine anderen Werke, besonders aus den jüngeren Jahren, fanden Anerkennung. Der finanzielle Erfolg aber blieb dem Tondichter versagt. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Vergessenheit und Armut in München. Im Schatten des Musikgiganten Richard Wagner, dem die bayerischen Könige Max II. und Ludwig I. ihre Gunst zuwandten, verblasste die Erinnerung der Menschen an diesen Tondichter aus unserer Heimat immer mehr. Er starb schließlich am 17. August 1865 als Dreiundachtzigjähriger in München und ist auch dort beerdigt.

„Eifer für die Kunst, Schätzung des wahrhaft Guten und eine rastlose Tätigkeit sind Tugenden, die dem Freiherrn von Poißl von allen, die ihn im Innern seines Wirkens beobachteten, einstimmig zuerkannt werden.

 

Hier im Schloss Haunkenzell wurde Johann N. Freiherr v. Poißl geboren.

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